neanderland MUSEUMSNACHT 2019 (27. September 2019)
neanderland MUSEUMSNACHT 2019(27. September 2019)

Hier werden einige ausgewählte Exponate vorgestellt, die anlässlich Führungen und Veranstaltungen zum Rottberg gebracht und dort ausgestellt werden.

Scheinsignalrakete

Scheinsignalraketen wurden in deutschen Nachtscheinanlagen, so auch der Krupp’schen Nachtscheinanlage in Velbert, verwendet, um die von den alliierten „Pfadfinder“-Flugzeugen gesetzten Leuchtmarkierungen („Christbäume") an falscher Stelle nachzubilden. So sollte, weit ab vom „richtigen“ Ziel, die Nachscheinanlage als Ziel markiert und die anfliegenden Bomberverbände in die Irre geführt werden.


Dazu wurde das 15 cm-Raketen-Scheinsignal-Geschoss (15cm-R-SsGs) entwickelt und ab etwa 1942 eingesetzt.


Das 15cm-R-SsGs bestand aus dem Raketenmotor (einer Feststoffrakete) mit stabilisierendem Leitwerk, dem in einem Papprohr untergebrachten Leuchtsatz und der in der Farbe des Leuchtsatzes lackierten ballistischen Haube (Spitze). Raketenmotor und Leuchtsatz wurden zeitgleich elektrisch gezündet, der Antrieb dabei unverzögert und der Leuchtsatz über einen Verzögerungszünder. Der eigentliche Leuchtsatz wurde dann nach Ablauf der Zeitverzögerung in etwa 2.000 m Höhe ausgestoßen und schwebte, identisch den alliierten „Christbäumen“, langsam zu Boden. Der verbrauchte Raketenmotor fiel ungebremst zu Boden, wobei er mit einem Gewicht von ca. 20 kg sicherlich eine Gefahr für die Bevölkerung darstellte. 

 

Die Raketen wurden in einer Transportkiste angeliefert, die in Verbindung mit einem Holzgestell zugleich als Abschussrampe diente. Für eine wirksame Zielmarkierung mussten vier Scheinsignalraketen so ausgerichtet werden, dass die Leuchtsätze in der Höhe ein großes Viereck bildeten, und die Raketen dann zeitgleich gezündet werden. Die Zündung erfolgte über einen Glühzündapparat, wie er auch im Bergbau oder bei der Pioniertruppe Verwendung fand.


Das Täuschungskonzept der Scheinsignalraketen hatten zwei entscheidende Nachteile: Die Steighöhe der Raketen war mit 2.000 m wesentlich geringer als die Abwurfhöhe der „echten“ Christbäume. Für die Christbäume waren wechselnde „Tagesfarben“ vereinbart, die man nicht kannte. Die gewählte Farbe konnte also falsch sein. So werden die Scheinsignalraketen mehr zur Verwirrung beigetragen haben.

 

Das bei uns anlässlich Veranstaltungen gezeigte Exponat ist eine Teilrekonstruktion für museale Zwecke unter Verwendung von Originalteilen verbrauchter Scheinsignalraketen und dürfte in der bundesdeutschen Museumslandschaft einzigartig sein. Die verwendeten Originalteile wurden 1990 nahe einer Scheinanlage bei Nürnberg geborgen und von einem Bayrischen Museum als Schenkung zur Verfügung gestellt.

 

Das Exponat ist selbstverständlich frei von jeglichen Zünd- und Sprengmitteln oder zündfähigem Material und entspricht den gesetzlichen Vorschriften.

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